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Schwere Zeiten

Der vielseitig begabte und langjährige Freund Johannes Saals, Dr. phil. Emil Dönges, führte nun die Anstalt im Sinne des Gründers weiter.

Dr. Dönges, der sein Leben ganz in den Dienst Jesu Christi stellte, hatte als Evangelist, Lehrer und Schriftsteller innerhalb der Brüderbewegung in den Kreisen der „Christlichen Versammlung“ einen maßgebenden Einfluss auf deren Entwicklung und konnte diese durch seine rege schriftstellerische Tätigkeit unterstützen.

In Dillenburg gründete er den „Geschw. Dönges“ Verlag und verfasste verschiedene evangelistische Zeitschriften und Kalender für Erwachsene und Kinder, die Verbreitung bis über die Grenzen Deutschlands fanden.

Dr. Emil Dönges

Im Jahr 1919 entschloss sich Dr. Dönges zusammen mit anderen Glaubensbrüdern der sogenannten „Christlichen Versammlung“, den Verein „Friede Euch“ zu gründen und diesem der Anstalt anzugliedern. Dr. Dönges blieb bis zu seinem Tode im Jahr 1923 Vorstand der Anstalt.

Während des 1. Weltkrieges war es sehr mühevoll, die Arbeit in der Anstalt aufrecht zu erhalten. Die steigende wirtschaftliche Not machte auch vor der Anstalt in Aue nicht halt. Es herrschte großer Geldmangel. Bereits 1914 wurde das Pflegegeld auf das Doppelte – auf 2 Mark pro Tag – erhöht. Dies erschwerte bei Angehörigen und Stiftern die Zahlung. Die Fürsorgebehörde versuchte seit 1931, die Pflegebedürftigen aus der Anstalt zu nehmen und in den Familien oder Armenhäusern unterzubringen, um Kosten zu sparen. Auch die Spenden sanken seit 1930 um mehr als die Hälfte. Selbst die dringende Anschaffung eines Kochkessels musste zurückgestellt werden.

Einladung zur Sitzung

In dieser Zeit, es war 1930, wurde der Anstaltsleitung das etwa drei Kilometer entfernte Gut „Röthof“ angeboten. Das auf den Höhen des Thüringer Waldes gelegene Bauerngehöft bot geradezu ideale Voraussetzungen, den arbeitsfähigen Pfleglingen Beschäftigung anzubieten und zudem die Anstalt mit den nötigsten Lebensmitteln wie Milch, Fleisch und Eier zu versorgen.

Großen Gefahren war die Anstalt in den Jahren des Faschismus ausgesetzt. Neben der Ausrottung der Juden war auch die Beseitigung „lebensunwerten Lebens“ eines der geplanten Ziele, um Hitlers Rassenlehre durchzusetzen. Auf Grund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.07.1933 ging es zunächst um die Zwangssterilisation einer großen Anzahl von Pfleglingen. Gesetzesauszug: „Es pflanzen sich unzählige Minderwertige und erblich Belastete hemmungslos fort, deren … Nachwuchs der Gesamtheit zur Last fällt. Die Unfruchtbarmachung ist eine Tat der Nächstenliebe und Vorsorge.“ Aus einem Kommentar: „Im Vordergrund steht der entschlossene Wille unserer Regierung, den Volkskörper zu reinigen. Die Rasse will hohen Durchschnitt züchten, nicht Ausnahmen.“

Die durch das Reichsministerium getarnte „Meldebogenaktion“ leitete den nächsten Schritt zur endgültigen Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ ein. Auf Anordnung des Reichsverteidigungskommissars sollten 113 Pfleglinge, die in einer Liste verzeichnet waren, verlegt werden. In der Pflegeanstalt wurde erbittert um jeden einzelnen Zögling gekämpft, und tatsächlich schaffte man es, alle als „lebensunwert“ Eingestuften vor der Verlegung zu retten. Leider konnte dann im Jahr 1942 der Abtransport von zwei Pfleglingen mit einem Judentransport nicht verhindert werden. In den Jahren 1939 bis 1943 erfolgten 20 Verlegungen in Kreis- und Landespflegeheime bzw. Entlassungen. Das ist eine außerordentlich hohe Zahl, da es sonst nicht üblich war, Pfleglinge aus der Anstalt zu verlegen.

Flechtarbeiten

Ein weiteres einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Anstalt brachte das Jahr 1937.

Durch das NS-Regime wurde „…festgestellt, daß die Bestrebungen der Sekte „Christliche Versammlung“ volks- und staatsfeindlich sind und mit sofortiger Wirkung für das gesamte Reichsgebiet aufgelöst und verboten werden.“

Der das Werk tragende Verein „Friede euch“ war mit der nun verbotenen „Christlichen Versammlung“ gleichgesetzt und die Anstalt als deren Eigentum angesehen worden. Das Bankkonto wurde gesperrt, das Anstaltsvermögen beschlagnahmt und ein staatlicher Treuhänder eingesetzt.

Nach einem Jahr gelang es, die Anstalt wieder frei zu bekommen und einem neuen Rechtsträger, der Stiftung „Nächstenliebe“ in Stuttgart, anzuschließen.

Durch die Teilung Deutschlands im Jahr 1949 war eine Weiterleitung der Anstalt durch die Stiftung nicht mehr möglich. Durch einen Schenkungsvertrag ging die Christliche Pflegeanstalt im gleichen Jahr an den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (DDR) über.

Heidi  Hornickel

Anstalt Gesamtansicht

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